Köln hat einen neuen Biergarten – den Grüngürtelgarten

Wir sind Fans. Fans der Kölner Gastronomie, aber das ist kein großes Geheimnis. Ähnlich bekannt sollte inzwischen auch jedem sein, dass die gesamte nationale Gastronomie stark unter der Corona-Pandemie leidet. Noch heute sind trotz vieler Lockerungen einige Gastronomien in Köln geschlossen, weil sie die neuen Hygiene- und Abstandsregeln in ihren Kneipen, Bars und Biergärten nicht realisieren können. Da ständiges Nörgeln und das Verlassen auf Hilfe kein wirkliches Krisenmanagement bedeuten, hat die Interessengemeinschaft der Gastronomie in Köln (IG Gastro) bei der Stadt das Konzept für einen Pop-Up Biergarten eingereicht und angeregt, der nun dieses und nächstes Wochenende (24. – 26. Juli) zum ersten Mal realisiert wird. Als kleines Pilotprojekt.

Dafür wird Freitags bis Sonntags ein ca. 300 Meter langes Stück der Vogelsanger Str. am Grüngürtel gesperrt. Von 17:00 Uhr bis 03:00 Uhr Freitags, 12:00 bis 03:00 Uhr Samstags und 12:00 bis 22:00 Uhr Sonntags finden im sogenannten Grüngürtelgarten (GRNGRTLGRTN) ca. 450 Menschen Platz. Unter Einhaltung aller Corona-Verordnungen werden die Personen am Eingang akribisch gezählt. Die Bierbänke stehen 1,50 Meter voneinander entfernt und unter den Sonnenschirmen gibt’s sowohl schattige als auch sonnige Plätze. Neben kaltem Gaffel Kölsch, Fassbrause und Sonnenhopfen gibt’s natürlich auch Wasser und Cola. Außerdem sorgen Foodtrucks, ein Kaffee-Wagen und ein DJ in der Mitte der Fläche für das nötige Wohlbefinden.

Es entsteht hier keine neue Party-Meile, sondern ein Corona-gerechtes, gastronomisches Outdoor-Angebot

Sebastian Lenninghausen – Produktmanager Gaffel

Wir waren gestern im Grüngürtelgarten und konnten mal wieder die Kölner Sonne und das ein oder andere Kölsch genießen. Was in dem ein oder anderen Biergarten schon einmal aufgrund seiner Größe zu einem mulmigen Gefühl führen kann, ist im Grüngürtelgarten entspannter. Die Menschen sind rücksichtsvoll, halten sich überwiegend an die Empfehlungen und aufgrund der riesigen Fläche kann man sich im Pop-Up Biergarten auch gut aus dem Weg gehen. Securities sind vor Ort und kümmern sich um ein geregeltes Miteinander, hatten aber auch am gestrigen Sonntag wenig bis nichts zu meckern. Der ein oder andere Blick auf den Colonius und den Grüngürtel lässt sich auch erhaschen und das gesamte Team um den Grüngürtelgarten ist mehr als nett. Das gilt für den Ausschank und das gesamte Personal. Die Toiletten sind sauber und ordentlich und auch um die Hygiene an den Tischen wird sich gekümmert. Mehrmals die Stunde bekamen wir Besuch von einer netten Mitarbeiterin, die unsere leeren Flaschen einsammelte. Zusätzlich ging fast genauso oft jemand rum und reinigte leere Tische oder auf Wunsch sogar den besetzten eigenen.

Wir werden den Biergarten zu 100% ehrenamtlich bespielen. Erlöse gehen an in Not geratene Gastronomen und Clubbetreiber

Till Riekenbrauk – Vorsitzender IG Gastro

Schöner Ansatz des Pop-Up Biergartens ist übrigens, dass sich nicht einfach bereits gut aufgestellte Gastronomen zusammengeschlossen haben, um die Gunst der Stunde zu nutzen, sondern dass die IG Gastro hier gezielt ein ehrenamtlich Konzept eingereicht hat, dessen Erlöse an in Not geratene Clubbetreiber und Gastronomen geht. Wie der Verteilungsschlüssel aussieht, nach welchen Kriterien die IG Gastro die Einnahmen verteilt wird sich wahrscheinlich nach den ersten Testtagen dieses und nächstes Wochenende zeigen.

Die neue Freifläche soll am Wochenende auch dazu dienen, die zur Zeit kritischen Plätze, wie den Stadtgarten oder den Brüsseler Platz etwas zu entzerren. Was wir persönlich mit einem Kölschpreis von 3,00 Euro und alkoholfreien Getränken für 2,00 bis 2,50 Euro eher für unrealistisch halten, da das Kiosk-Kölsch dann doch für viele um einiges preiswerter erscheint. Trotzdem konnten wir auch den ein oder anderen beobachten, der nur in den Biergarten kam, um kühles Kölsch zu besorgen und dann wieder in den Weiten des Grüngürtels verschwand.

Kontaktverfolgung via RECOVER im Grüngürtelgarten

Kontaktverfolgung via Recover im Grüngürtelgarten auf der Vogelsanger Str.
Einfache Kontaktverfolgung. Ohne Zettelwirtschaft.

Die Kontaktnachverfolgung im Grüngürtelgarten geschieht wahlweise über lästige Papierlisten, oder eben die Recover App. Entwickelt vom Kölner EntwicklerStudio Railslove können Besucher sich ganz bequem über einen QR Code an den jeweiligen Tisch einchecken. Die Daten werden dabei lediglich auf dem eigenen Smartphone gespeichert. Wer den Biergarten verlässt, ganz sich bequem wieder auschecken auf dem eigenen Handy. Eine extra App ist dafür nicht nötig, das ganze Recover-System läuft über den systeminternen QR-Code Scanner und eine einfache Website im jeweiligen Browser. IG Gastro Mitglieder können Recover kostenlos in ihren Gastronomien einsetzen. Wir von Chips & Champagner nutzen die Railslove App Recover regelmäßig bei unseren Gastro-Besuchen und können sie wärmstens empfehlen! Jede Kölner Gastronomie sollte unserer Meinung nach auf das System aus Köln zurückgreifen.

Der Grüngürtelgarten mit Blick auf den Colonius
Bleib Gesund - Kölsches Desinfektionsmittel darf nicht fehlen

Fazit zum Grüngürtelgarten

Wie immer gibt es bei Pilotprojekten immer den ein oder anderen Kompromiss. So wird zum Beispiel nicht am Tisch bedient, sondern die Getränke müssen am jeweiligen Schankwagen abgeholt werden. Außerdem gibt’s kein gezapftes Kölsch, sondern nur Flaschengetränke. Unter den Umständen und dem Wissen, dass die 300 Meter der Vogelsanger Str. jetzt zum ersten Mal gesperrt und das gesamte Veranstaltungsequipment in der Nacht von Sonntag auf Montag wieder abgebaut und abtransportiert werden muss, sind das die typischen Randerscheinungen eines Pop-Up Pilotprojekts und unterscheidet sich in vielen Dingen dann doch stark von einem stationären Konzept. Dabei liegt in unseren Augen der wirkliche Wert des Grüngürtelgartens nicht im Schaffen eines Biergartens, sondern dem Beweis, dass Stadt und Gastronomen zusammen versuchen Lösungen für die neuen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie zu finden. Schnell, unbürokratisch und trotzdem so durchdacht, dass sie nicht Gefahr laufen sich kontraproduktiv zu entwickeln.

Der Pop-up Biergarten ist eine innovative Idee und sinnvolle Ergänzung, aber kein Wettbewerb zur klassischen Gastronomie.

Sebastian Lenninghausen – Privatbrauerei Gaffel

Genau aus diesem Grund sind auch alle Kritikpunkte, die ein solches Pop-Up Konzept mit sich bringt, absolut hinfällig. Hier geht es darum eine Krise gemeinschaftlich zu meistern. Als Mitbürger, Stadt und Gastronom. Umso wichtiger ist die Annahme von solchen Pilotprojekte durch die Bevölkerung, also uns selbst. Denn nur so kann sich langfristig ein Dialog und eine Kultur der Problemlösung entwickeln, die für eine nachhaltige Veränderung der gastronomischen Infrastruktur der Stadt Köln sorgen. Aus diesem Grund, haben wir hier jetzt so ausführlich ausgeholt und befürworten das Projekt, die IG Gastro und den GRNGRTLGARTEN. Geht hin, probiert’s aus und wenn es nur für ein, zwei, drei Kaltgetränke ist.

Wir konnten uns gestern schon mit dem Gedanken anfreunden in Zukunft öfter zwischen den Grünflächen des Grüngürtels unserer Kölsch zu trinken und den Passanten beim vorbeischlendern zuzugucken. Klingt ein bisschen nach Großstadtromantik, kann es tatsächlich auch sein.

Kaltes Gaffel Kölsch im Pop-Up Biergarten am Grüngürtel mit Freunden
Kaltes Gaffel Kölsch aus der Flasche. Aber auch Fassbrause, Wasser und Sonnenhopfen stehen zur Auswahl

Biergarten Vogelsanger Straße am Grüngürtel
GRNGRTLGRTN*
Öffnungszeiten
17.-19. Juli und 24.-26. Juli 
Fr 17-03 Uhr, Sa 12-03 Uhr, So 12-22 Uhr

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