Sina Guntermann fotografiert von Kaspar Achenbach

Kunst aus Köln: Sina Guntermann

Sina Guntermann ist Regisseurin, Drehbuchautorin, und Fotografin in Köln. In ihren Arbeiten, in denen die Wechselwirkung zwischen Realität und ihren surrealen Aspekten thematisiert wird, beschäftigt sich die Künstlerin medienübergreifend mit der Erfahrungsmöglichkeit von Absurdität in der Kunst. Insbesondere offensichtliche Alltäglichkeiten, die ihrem Kontext entrückt werden, sind eines der wiederkehrenden Motive in ihren Arbeiten. 

Aktuell studiert Sina an der KHM in Köln und gewann dieses Jahr den Design-Wettbewerb rund um die ART COLOGNE Kölschstangen Edition 2020. In ihrer Handzeichnung mit dem Titel „Le Grand K. ölsch“ ersetzt sie das legendäre Pariser Urkilo mit einem klassischen Kölsch. Wir finden diese Interpretation besonders gelungen, schließlich ist ein kühles 0,2 L Kölsch auch für uns oftmals das Maß aller Dinge.

Da wir uns stets für KünstlerInnen aus unserer Heimatstadt interessieren, haben wir Sina ein paar Fragen gestellt, um sie besser kennenzulernen. Viel Spaß beim Lesen und hier auch nochmal: Danke Sina, dass Du bei der Premiere dieses Format mitgemacht hast!

Ich stelle mir Köln gerne als folgenden Ort vor: Der Ort an den ich am liebsten zurückkehren möchte, um so sein zu können wie ich bin.

Sina Guntermann
Sina Guntermann fotografiert von Kaspar Achenbach
Die Künstlerin Sina Guntermann im Interview mit Chips & Champagner © Kaspar Achenbach

Sina Guntermann im Interview

Du studierst an der KHM hier in Köln. Warum hast Du dich für diese Kunsthochschule entschieden? 

„WHITE GROUND BLACK SQUARE“; so wie das Logo der KHM beschäftige auch ich mich mit Schnittstellen und Kontrasten. 

Aus der Sicht: Was macht Köln für dich besonders, oder eben auch nicht? 

Köln bedeutetet für mich: Zusammenleben in Diversität. Eben das Zusammenspiel von Schnittstellen und Kontrasten. Das ist in meinen Augen ein erstrebenswertes Lebensgefühl. 

Gehörst Du zu den Menschen, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf lange Sicht mit dieser Stadt binden oder zieht es dich woanders hin? 

Ich stelle mir Köln gerne als folgenden Ort vor: Der Ort an den ich am liebsten zurückkehren möchte, um so sein zu können wie ich bin. Länger verreisen oder auf bestimmte Zeit in die Ferne ziehen schließe ich aber nicht aus. 

Das Jahr, ein aus vielen Gründen außergewöhnliches Jahr, neigt sich langsam dem Ende zu. Gab es trotz der Situation dieses Jahr eine neue Kulturveranstaltung, die dich beeindruckt hat? 

In diesem Jahr durfte ich Teil eines Stipendiums/ Residenzen-Programms des CfL (Center for Literature, Münster) sein. Gemeinsam mit den Mitgliedern unseres Performance Kollektivs „You Are Group“. In diesem Zusammenhang haben wir online und offline konzipiert, diskutiert und produziert. Das Ergebnis haben wir anschließend auf verschiedenen Veranstaltungen digital und/oder analog präsenteren dürfen. Der konstante Austausch intern und extern und das Bedürfnis danach, hat mich über mehrere Monate begleitet. Das hat mir gezeigt, dass Kulturveranstaltungen das Wohlbefinden der Menschen stark beeindrucken. Und ein Grundbedürfnis darstellen. 

Angenommen, Du hättest einen Wunsch frei, was die Kölner Kunst- und Kulturszene betrifft, was würdest Du dir wünschen? 

Ich würde mir wünschen, dass KünstlerInnen noch mehr gefördert und honoriert werden. Die Anerkennung für sie sollte Voraussetzung sein, für die subjektive Bewertung ihres künstlerischen Schaffens. 

Zu deiner Arbeit: Gab es einen Moment, an dem Dir klar wurde, dass Du genau das machen möchtest, was Du jetzt tust? & was war der bisher schönste Moment, den Du dank deiner Arbeit erleben durftest? 

„Man suche nur nichts hinter den Phänomenen; sie selbst sind die Lehre.“ Dieses Zitat von Goethe stellt eine Maxime eines meiner Lieblingskünstler dar: Peter Piller. Zu Beginn meines Studiums an der KHM habe ich mich mit den verschiedenen Möglichkeiten des Unkenntlichmachens von Frauen in/und ihren Brautkleidern bei Ebay Kleinanzeigen beschäftigt (schwarze Vierecke, weiße Kreise etc.). Der Schwerpunkt lag für mich in der Herausstellung dessen, dass die Kunst dem Alltäglichen inhärent ist. Mich hat nachhaltig inspiriert und beeindruckt, meine Begeisterung für diesen künstlerischen Ansatz weitergeben zu können. 

Offiziell bist Du Regisseurin, Drehbuchautorin & Fotografin, wie kam es dazu, dass Du eine Zeichnung für das ART COLOGNE Glas eingereicht hast? 

Das Zeichnen hat schon immer eine große Herausforderung für mich dargestellt, denn ich kann es schlichtweg einfach nicht gut, zumindest nicht im klassischen Sinne. Ich habe aber erkannt, dass es mehr Kriterien gibt, um eine Zeichnung zu bewerten, als ihre bloße Erscheinung. Mein Interesse liegt besonders im Konzeptionellen und der Vermittlung eines Gehalts. In diesem Sinne eröffnen sich vielfältige Betrachtungsmöglichkeiten einer Zeichnung und besonders ihres Narrativs. Und dieses habe ich gehofft in meinem Zeichenentwurf implementieren zu können. 

Wie bist Du auf die Verbindung Kölsch – Urkilo gekommen? War es eine spontane Eingebung oder steckt mehr dahinter? 

Der Artikel „das Urkilo geht in Rente“ ist mir lange im Gedächtnis geblieben. Die Erkenntnis darüber, wie wichtig dieser Zylinder für unser alltägliches Leben ist, hat mich nachdenklich gemacht. Auch die Art der Aufbewahrung unter 2 Glasglocken in einem Pariser Museum, erschien mir irgendwie absurd. Und für Absurditäten habe ich eine besondere Vorliebe. Als ich über das Konzept für die Zeichnung nachgedacht habe ist mir eine Parallele aufgefallen: Die geometrische Form des Zylinders. Doch nun muss der eine Zylinder, das Urkilo, ersetzt werden, da er stetig an Masse verliert. An seine Stelle tritt eine Kugel, die aus Naturkonstanten zusammensetzt ist, die unveränderlich bestehen bleiben werden. Allerdings hat der kölsche Zylinder bereits seine unveränderlich bestehende Form gefunden. Und Seine Naturkonstanten im Geschmack des Gaffel-Kölschs manifestiert. 

Und zu guter Letzt: Chips oder Champagner? 
Chips. Und Kölsch. 


Wenn Ihr noch mehr über Sina Guntermann erfahren möchtet, schaut gerne auf Ihrer Homepage vorbei. Ihr werdet es nicht bereuen, denn es ist wirklich eine sehr coole Homepage mit vielen weiteren inspirierenden Arbeiten.

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