Eine Anekdote über das Verschenken, Vertrauen und Vorleistungen

Eine Anekdote über das Verschenken, Vertrauen und Vorleistungen

Keine Sorge, es geht hier heute nicht um Weihnachts-Geschenke. So viel sei schon einmal verraten. Es geht um etwas anderes. Die meisten jungen Menschen wachsen in Deutschland mit Aussagen und Weisheiten wie diesen auf: “Gleiches Geld für gleiche Arbeit”“Lass dich nicht abziehen!”“Wenn Du etwas gut kannst, nimm Geld dafür” oder “Lass dich nicht ausnutzen”. Ihr kennt die Sprüche. Ich war einer von denen, die damit aufgewachsen sind. Mein Gegenpol war mein Onkel. Schon immer Selbstständig. Ich hatte das Glück sehr früh mit ihm und seinem Schaffen viel Zeit zu verbringen und habe gemerkt, dass er viele Dinge anders macht, als die Menschen, die mir ständig einen “guten” Rat geben wollten. Für ihn war es selbstverständlich, dass er das Essen zahlt, wenn er sich mit jemandem trifft. Er fuhr wie selbstverständlich hunderte Kilometer auf eigene Kosten, um jemanden zu treffen oder kennenzulernen. Er und sein Unternehmertum waren mein Ausgleich zur Schule und den Alman-Weisheiten. Er hat mich bis heute damit geprägt.

Und was mir immer dabei immer wieder das Gefühl gibt, es ist der richtige Weg, sind Anekdoten wie diese: Ich war irgendwo am Arsch der Heide in Detmold, hatte gerade auf einer kleinen Kreativkonferenz gesprochen und jemanden kennengelernt, den ich sehr sympathisch fand und der sich in Detmold sein Studio mit dem Veranstalter teilte. Irgendwann kam die Idee auf, doch noch ein paar Drinks im Studio zu nehmen. Als kleine Aftershow-Party zur Veranstaltung. Wer mich kennt weiss, dass ich großer Aftershow-Fan bin, also fuhr ich mit. Irgendwo in ein Industriegebiet in Detmold. Ich hatte damals ein paar Bücher für die Konferenz gespendet. Ein paar hatten wir auf der Aftershow noch.

Irgendwann stand Johannes vor mir. Ich hatte ihn noch nie gesehen, wir hatten aber wohl mal geschrieben. Er blätterte in meinem Buch. Und erzählte mir irgendwas von der Fotografie. Ich war gut angetrunken, konnte nicht mehr allem folgen. Aber in meiner Erinnerung fand er “Das Leben und Sterben des BENHAMMER” (meinen ersten Bildband) wohl sehr interessant und wollte es eigentlich schon lange haben. Ich sagte ihm, er könne es für 25,00 Euro statt 35,00 Euro haben oder im Shop bestellen. Irgendwas an seiner Reaktion ließ mich deuten, dass er irgendwie von meinem Angebot nicht überzeugt war. Kurzerhand sagte ich zu ihm: Ach scheiß drauf, nimms einfach mit. Ich schenks dir.

Ich habe wie so oft nicht drüber nachgedacht. Ich sah einen jungen Typen, der sehr nett war, sich ein Ticket für diese Konferenz gekauft hatte und damit schon was Gutes für Kinder in Detmold getan hat.

Er bedankte sich artig. Hatte aber wohl auch ein schlechtes Gewissen, warum er mir Anbot, dass er mir ein Abo von der t3n zukommen lassen könnte. Eine Zeitschrift, die mich schon mein Leben lang begleitet. Auch darüber dachte ich nicht weiter nach, sagte etwas wie “Das ist cool, danke!”hatte aber auch glaube ich nicht damit gerechnet, dass jemals eine t3n bei mir ankommen sollte und schlug ihm vor, dass wir doch jetzt ein Bier trinken sollten.

Ein paar Monate später lag die erste t3n in meinem Studio. Ich schrieb ihm auf Facebook: “Danke, erstes Magazin angekommen! Wort gehalten! Beim nächsten Mal gibts Bier!”.

Das war 2017. Bis heute freue ich mich auf jede Ausgabe der t3n. Und weil mir das heute auch wieder bewusst geworden ist, habe ich Johannes eben mein neues Buch “Tage Danach” in die Redaktion geschickt.

Photo by Matt Jones on Unsplash

Leave a Reply